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Praktikum

Beitragsseiten

Immer mehr junge Menschen ergreifen die Gelegenheit ein Praktikum in einer unserer Einrichtungen zu machen. Sei es zwei Monate oder mehr, die Länge ist frei wählbar und kann natürlich auch noch nach Beginn des Praktikums verändert werden.
Die Praktikanten werden meistens von einer unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter persönlich in die Einrichtung eingeführt.
Darüber hinaus finden regelmäßige Telefonate mit Thiru in Deutschland statt

Gemeinsam lernen


Christina und Sören, 2 unserer jungen Praktikanten

Bevor die Praktikanten nach Indien fliegen finden etwa 6 Treffen statt, bei denen die zukünftigen Praktikanten einen 1. Einblick in die indische Kultur bekommen, wo sie indische Umgangsformen erlernen, sowie ausführliche Informationen über die Institutionen und ihre Bewohner erhalten. Alle, die bisher ein solches Praktikum absolviert haben, sind völlig begeistert und beeindruckt nach Deutschland zurückgekehrt. Diese Zeit war prägend für ihr weiteres Leben und einige sind sogar schon mehrfach dort gewesen.
Natürlich kann jeder der Interesse hat ein solches Praktikum zu machen sich an uns wenden. Auf Wunsch stellen wir auch den Kontakt zu ehemaligen Praktikanten her, die sicherlich am besten von ihren Erfahrungen berichten können.


Gerdie, eine Musikerin aus den Niederlanden, hat 6 Wochen im Sommer 2013 in Indien verbracht.
Rückblickend betrachtet sagt sie, dass diese Zeit zu den intensivsten ihres Lebens gehört.


Dorothee aus Münster war 2009 für 6 Monate in Indien. Hier ein Brief, den sie während ihres Praktikums geschrieben hat:

Brief von Doro


 

Erfahrungsbericht Praktikum Enga Veeda

Oktober 2013 – Januar 2014

Indien- ein für mich unbeschreibliches Land! Unbeschreiblich vor allem aufgrund der vielen facettenreichen sowie auch widersprüchlichen Impressionen, die ich in den drei Monaten erlangt habe: Das Land beeindruckt mit lebendigen und offenen Kultur, den bunten Farben, den zuvorkommenden Menschen, der indischen Küche, den Gerüchen den wunderschönen Tempeln, der Lebendigkeit und Herzlichkeit sowie der Vielfalt an Riten, Sprachen, Natur und vor allem Lebensfreude. Auf der anderen Seite erschreckt es mich durch die große Zahl an Armut, elenden Zuständen der Unterschicht, die große Kluft zur Oberschicht, der Rolle der Frau, das Kastensystem, der Dreck und Müll und dem täglichen Chaos und Gewusel. Noch heute mit einigem Abstand zu dem Land fällt es mir schwer, eine abschließende Meinung aufgrund der vielen Widersprüche zu bilden – und genau dies ist es was auch so eine große Faszination zu Indien auslöst und weswegen ich dankbar und glücklich bin, diese unglaubliche Zeit mit vielen Eindrücken als auch Höhen und Tiefen erleben zu dürfen.

Gerade aufgrund der uns so fremden Kultur war ich somit froh, dass zu Beginn meines Praktikums Thiru, Michael und Gabi mit in Indien waren und mir so die indischen Gepflogenheiten zeigen und auch erklären könnten. Es wurde sich super um mich gekümmert und ich hatte die Möglichkeit, auch mit ins Blindenheim zu fahren sowie andere Ausflüge und angehende Projekte mitzuerleben. Diese ersten Wochen waren die intensivsten in meinem Leben, gepaart mit einer totalen Reizüberflutung. Trotz des Kulturschocks (obwohl ConAct mich in Deutschland super auf Indien, die Kultur und das Kinderheim vorbereitet hatte) fühlte ich mich im Kinderheim sofort wohl und Zuhause, dies ist vor allem Samatham und Usha, die einen herzlich wie ein weiteres „Kind“ aufnahmen und kümmerten, wie auch den offenen Kindern, zu denen man sofort eine Bindung aufbaute, zu verdanken. Ich fühlte mich wie in einer großen Familie, bekam tiefe Einblicke in die Geschichte und Persönlichkeiten der Kinder, aber hatte auch meinen eigenen kleinen Rückzugsraum (in Indien großer Luxus!), und konnte mich bei Problemen und Fragen immer an Samatham, Usha oder auch Valli wenden. Auch nach Abreise der ConAct-Vorsitzenden stand ich regelmäßig mit Thiru in Kontakt und könnte vieles mit ihm besprechen- eine wirklich hervorragende Betreuung!
Nach einiger Zeit Eingewöhnung kam ich schnell im indischen Leben und meinem Alltag an: Es wurde immer sehr früh aufgestanden und ich habe Usha nach dem morgendlichen (extrem süßen!) Tee in der Küche beim Gemüse schnippeln und Reis kochen geholfen, während sich parallel die Kinder wuschen, Wäsche machten und Hausaufgaben erledigten. Den kleineren Kindern half ich anschließend oft bei der Schuluniform oder den Frisuren, oder fragte Schulaufgaben ab. Vor dem gemeinsamen Essen wurde jeden Morgen gemeinsam gebetet, anschließend brachte ich die Kinder zur Bushaltestelle. Die darauffolgende freie Zeit verbrachte ich dann meistens hinten auf Samathams Roller und habe den realen indischen Alltag mit all seinen Facetten kennengelernt: Sei es Arztbesuche, Schulbesuche, Großeinkäufe, Behördengänge, Familienbesuche, Tempel u.v.m., näher an der indischen Bevölkerung und deren Leben konnte man nicht sein! Nachmittags holte ich die Kinder wieder von der Schule ab und nach einer kleinen Stärkung startete ich mit einer kleinen Gruppe von Kindern jeden Tag ein Projekt. Wir haben viel gebastelt, gemalt, Ketten und Armbänder gemacht, englisch geübt, gespielt, etc. Auch wenn die Möglichkeiten aufgrund der Materialen begrenzt war (ich hatte extra aus Deutschland spezielles mitgebracht), hat es wahnsinnig Spaß gemacht gemeinsam mit den Kindern etwas zu entwickeln und deren Begeisterung mitzuerleben! Aber selbst danach war für die Kinder noch nicht Schluss, sondern es folgten Hausaufgaben und Lernen, wo ich auch versucht habe zu helfen. Nach dem Essen fiel ich dann irgendwann genauso kaputt ins Bett wie die Kinder, obwohl mein Pensum längst nicht so extrem war wie das von ihnen.
Aber die vielen neuen Eindrücke jeden Tag schlauchten einen doch mehr als man zuvor denkt, auch wenn man sich nach einer Zeit interessanterweise an Vieles gewöhnt: Den Dreck, Geruch, viele Krabbeltiere, die strengen Regeln im Heim (ohne die aber nichts laufen würde) und sogar das scharfe Essen. Die ersten Wochen war ich wirklich verzweifelt und wusste nicht, wie ich dreimal am Tag Reis mit einer scharfen Soße essen sollte, aber nach drei Monaten habe ich mit erstaunlicher Weise sogar schon früh morgens bei dem Reisgeruch auf das „Frühstück“ gefreut und auch die Schärfe vertragen (und mittlerweile ist indisches Essen einer meiner Lieblingsgerichte). Trotzdem darf man auch die körperliche Belastung durch die uns ungewohnte Hitze und Feuchtigkeit nicht unterschätzen, oder auch Magenkrämpfe durch Gewürze/unreines Wasser etc., wie aber auch unerwartete Probleme einer chronisch entzündeten Kopfhaut. Bei solchen Problemen kam dann auch erschwerend die Sprachbarriere hinzu, da Samathams Englisch wirklich gewöhnungsbedürftig war und somit tiefgründige Gespräche schwierig waren. Nichts desto trotz taten die Usha und Samatham wirklich das Beste, dass es mir immer gut ging und kümmerten sich toll um mich! Außerdem habe ich dadurch sehr gelernt, an solchen Schwierigkeiten oder auch Unklarheiten und Verständnisprobleme zu wachsen und meine kulturellen und sozialen Kompetenzen zu steigern.
Rückblickend war Indien einer der intensivsten und interessantesten Zeiten meines Lebens, in dem ich so viele verschiedene prägende Eindrücke erfahren habe und dadurch meine Persönlichkeit weiterentwickeln konnte. Vor allem die Erkenntnis, in welchem Überfluss wir in Deutschland leben und welche nicht selbstverständlichen Privilegien wir haben, beschäftigt mich noch sehr und führt dazu, dass man viele Dinge anders wertschätzt und mit einem Bewusstsein erfährt. Denn wenn ich eins gelernt hab, dann ist es, dass man auch mit sehr wenig glücklich und zufrieden sein kann – und für diese wertvolle Erfahrung bedanke ich mich bei ConAct!

Lisa Ahrens

 


Meine Zeit in Indien im Sommer 2016

Am 15. August 2016 begann mit dem Flug von Frankfurt über Delhi nach Chennai meine Zeit in Indien – insgesamt acht erfahrungs- und erlebnisreiche Wochen, die ich sicher nicht vergessen werde.

Ziemlich erschöpft von der langen Reise, wurde ich am Flughafen in Chennai von Samantham, dem Leiter des Kinderhauses Enga Veedu, und Geerdi, einer super netten Holländerin, die vor einiger Zeit länger in Indien war und nun für zwei Wochen dort zu Besuch war, abgeholt. Zwar wusste ich bereits, dass das Wetter, gerade im August, eine ziemliche Umstellung für mich werden würde, war aber doch erstaunt, WIE heiß und schwül sich knapp 40°C mit einer unglaublich hohen Luftfeuchtigkeit dann doch anfühlen. Von Chennai aus fuhren wir dann mit dem Taxi ungefähr vier Stunden bis zum Kinderhaus, das 8km nördlich von Pondicherry liegt, einer sehr schönen Stadt mit halb indischem, halb französischem Flair, ebenfalls direkt am Meer gelegen. Die Fahrt war – vor allem im Rückblick betrachtet – sehr angenehm (zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass das die mit Abstand komfortabelste Fahrt sein sollte, die ich in den nächsten acht Wochen erleben würde). Gerdi nutze die vier Stunden, um mir schon einmal die wichtigsten Verhaltensregeln und Tipps zu geben und ich versuchte mich aus dem vergleichsweise geschützten Raum im Taxi schon mal an das Straßenbild zu gewöhnen. Mein erster Eindruck aus dem Taxi heraus war „Es sieht ja wirklich genau so aus, wie in jeder klischeehaften Indien-Doku!“ Obwohl ich also nicht sagen kann, dass ich etwas anderes erwartet hätte, oder mich der laute, bunte Trubel irgendwie überrascht hätte, ist es natürlich doch ein anderes Gefühl, wirklich vor Ort in einem Auto zu sitzen, das auf dem Weg mindestens 20 Beinahe-Unfälle auf für mich absolut rätselhafte Weise schadlos übersteht und immer wieder abrupt abbremsen muss, weil eine heilige Kuh gemächlich mitten über die Straße trottet.

 

Beim Enga Veedu angekommen bildete sich sofort eine Traube von Kindern um das Taxi, noch bevor wir überhaupt die Türen geöffnet hatten, und ich wurde direkt sehr herzlich als „Anti“, das tamilische Wort für Tante, begrüßt und in den nächsten Wochen auch nicht mehr anders genannt.
Als Gerdi mir beim ersten Abendessen versuchte zu zeigen, wie man im Schneidersitz auf dem Boden sitzend Reis mit Soße nur mit den Fingern am wenigsten unelegant essen kann, hätte ich nie gedacht, wie schnell ich mich daran gewöhnen würde und dass ich schon ein paar Tage später gar nicht mehr darüber nachdenken würde, welche Hand zum Essen die richtige sei. Ehrlicherweise glaube ich aber, dass ich den Kindern beim Essen trotzdem noch oft genug Anlass zum Amüsieren gegeben habe – sei es, weil ich immer erst ein paar Minuten warten musste, bis das Essen nicht mehr so heiß war, dass meine Finger verbrannten (die Kinder hatten damit scheinbar überhaupt kein Problem), oder weil ich nach dem Aufstehen erst einmal kaum laufen konnte, weil mir das ewige Sitzen im Schneidersitz auch nach Wochen noch ziemlich weh tat.

 

Doch nicht nur an das Essen, sondern auch an den Alltag habe ich mich schnell gewöhnt. Beeindruckt hat mich dabei vor allem, mit welcher Selbstverständlichkeit das doch ziemlich straffe Tagesprogramm durchgezogen wurde und wie jedes Kind seinen Platz darin fand und zu einem sehr großen Teil ohne Aufforderung eigenverantwortlich seine eigene Wäsche wusch, Hausaufgaben erledigte, für Tests lernte und Aufgaben im Haushalt übernahm.

 

Für mich fing der Tag meistens um 5 Uhr an: Aufstehen, Duschen und dann in der Morgendämmerung bei einer Tasse Tee Gemüse schneiden: „Cut, cut, cut! Small, small, small!“ waren wohl die Worte, die ich mit Abstand am häufigsten gehört habe. Manchmal durfte ich auch später aufstehen, vor allem am Wochenende, wenn die Kinder keine Schule hatten und dann selbst für das morgendliche Schnippeln verantwortlich waren. Trotz der frühen Uhrzeit war das Gemüseschneiden aber ein ziemlich schöner und entspannter Start in den Tag, auch wenn ich mir dabei meiner Rolle als Lieblingsopfer der Moskitos immer wieder schmerzlich bewusst wurde (besonders schön sind Stiche unter der Fußsohle, kann ich aus mehrfacher Erfahrung berichten).

 

 



Carmen, eine junge Fotografin aus Bielefeld, war 2009 das 1. Mal in Indien.

Sie hat auch Ihren Bruder mit ihrer Begeisterung für unsere Projekte angesteckt, so dass Sören Ende September ebenfalls für 2 1/2 Monate nach Indien gefahren ist.
Hier könnt Ihr einen kleinen Erfahrungsbericht von ihm lesen:

 
2-monatiges Praktikum im Enge Vidu Kinderhaus von ConAct e.V.
 
Ende September 2009 war ich (Sören, 19 Jahre) für 2,5 Monate im Enga Veedu Kinderhaus in Puducherry um ein medienpädagogisches Praktikum – angeleitet vom interkulturellen Verein ConAct e.V. aus Detmold –  zu absolvieren. Es war meine erste außereuropäische Reise und somit habe ich mich wahnsinnig auf diese Herausforderung und die damit verbundenen Erfahrung gefreut.
 
Zusammen mit meiner Schwester Carmen, die schon bereits das Jahr zuvor mit dem Vereinsvorstand in Indien war, waren wir im Enga Veedu um mit den Kindern vor Ort zu arbeiten.
Unsere Aufgaben und unseren Arbeitsalltag konnten wir, in Abstimmung mit dem Verein und den Mitarbeitern Vorort, frei gestalten. Wir haben selbst Workshops und Themen für die Zusammenarbeit mit den Kindern im Kinderhaus entwickelt.
 
Die erste Zeit in Indien, im Kinderhaus in Puducherry war sehr eindrücklich. Es brauchte eine gewisse Zeit bis ich mich an das neue Land und die sehr unterschiedliche Kultur gewöhnt hatte. Indien habe ich in der ersten Zeit als lautes, heißes und schwüles, buntes, geruchsintensives, volles Land, mit  vielen (!)  tollen Menschen, wahnsinnig leckerem Essen, interessanter Religionsvielfalt und einerseits schöner aber auch verschmutzter Natur wahrgenommen.
Im Kinderhaus wurden wir direkt super gut aufgenommen, die Kids waren super interessiert an uns und wollten direkt alles genau wissen, auch wenn es mit dem Englisch erst noch etwas schwierig war. Generell war die Kommunikation noch nicht all zu einfach, da auch die Heimleiter nur ein sehr brüchiges Englisch gesprochen haben.
Wir tauchten schnell in den Alltag im Enga Veedu ein, wurden morgens von den Kindern geweckt, danach ging es direkt zur Puja (dem morgendlichen Gebet), danach gab es das gemeinsame Frühstück und danach haben wir die Kinder zur Schule begleitet, die nur 10 Minuten zu Fuß entfernt war. Die meisten Kinder waren bis 4 Uhr nachmittags in der Schule, sodass wir den Vormittag für uns und die Planung der Abendgestaltung hatten. Ein paar der jüngeren Kids sind schon etwas eher zurück gekommen, sodass wir uns um die kleinen gekümmert haben, bei den Hausaufgaben geholfen haben oder grundlegende Kenntnisse versucht haben zu vermitteln. Da auch lernbehinderte Kinder im Enga Veedu gelebt haben, haben wir uns um diese intensiver gekümmert.
Nachdem wir uns in den ersten zwei Wochen eingelebt haben, die Kinder vollstens ins Herz geschloss hatten, konnten wir mit unseren Workshops starten. Wir teilten die Kids in gut durchmischte Gruppen ein, die Lions, die Hearts, die Monkeys und die Elephants. Mit jeder Gruppe haben wir uns nach der Schule am Abend auf der Terrasse getroffen um verschiedene kreative Arbeiten zu entwickeln. Als ersten haben wir von den Gruppen Einzelportraits erstellt, diese ausdrucken lassen und zusammen mit den Kids Gruppenplakate gestaltet, und sie erstmal an kreatives gestalten und malen herangeführt. Generell ist uns aufgefallen dass es wohl keinen Kunstunterricht in der Schule gibt, da die Kreativität der Kinder für das Alter teils sehr unausgeprägt war. Also besorgten wir Malfarben, Kleber, Glitzer, Bastelutensilien, Pappe und legten los. Dabei kamen sehr bunte schöne Gruppenplakate raus, die wir im Essens- und Aufenthaltssaal aufhängten.
Neben kleinen sportlichen Spielen, folgte danach der T-Shirt Druck Workshop. Wir besorgen für jedes Kind ein T-Shirt in der Wunschfarbe und bedruckten diese mit dem Gruppenwappen und jeder konnte seinen Namen in seiner eigenen Vorstellung dort drauf verewigen.
Zwischendurch organisierten wir auch Strandausflüge mit allen Kids, da dieser nur 5 Gehminuten vom Kinderhaus entfernt war. Dort gingen wir gemeinsam schwimmen, aßen Eis und haben das freie Wochenende ausgenutzt.
Generell war die Verteilung von Freizeit, Zeit mit den Betreuern des Kinderhauses, und der Arbeit mit den Kindern sehr angenehm. Wir waren vormittags oft in der 15 Minuten mit dem Bus entfernten Stadt Puducherry um sich dort umzugucken, shoppen zu gehen, auswärts zu essen oder einzukaufen. Puducherry ist für Indienneueinsteiger sehr angenehm, da die Stadt nicht so groß und dreckig ist wie normale Indische Städte. Neben der Stadt gab es noch Auroville, ein Gebiet wo sich viele ausländische spirituelle Menschen seit vielen Jahrzehnten niedergelassen haben um eine eigene, selbstversorgende Stadt aufzubauen.
Nach ein paar Wochen war auch bei uns der Alltag eingekehrt, die Kids hatten sich an uns gewöhnt und wir haben uns total wohlgefühlt.
Als dann noch der Vorstand aus Deutschland angereist war, mit dem wir auch schon gut befreundet waren, wurde die Zeit noch intensiver. Wir besuchten die anderen Projekte von ConAct e.V., reisten rum und bekamen so noch mehr Eindrücke von Indien und der Arbeit des Vereins.
 
Insgesamt war es eine wahnsinnig intensive tolle Erfahrung im Enga Veedu, gerade die familiäre Aufnahme der Betreuer und Kinder im Kinderhaus. Es fühlte sich immer wie eine große Familie an in die wir aufgenommen wurden und in die wir unsere Beiträge einbringen konnten. Der Besuch aus Deutschland war dann ebenfalls nochmal sehr interessant. Nach der Zeit konnten wir uns schwer vorstellen wieder ins kalte, cleane, durchorganisierte Deutschland zurück zu gehen, die Kids verlassen zu müssen und all die Connections nun für eine gewissen Zeit zu kappen.
Mir hat die Zeit im Enga Veedu vieles gezeigt und mich persönlich sehr voran getrieben.
Das alles hat mich so geprägt und mir gezeigt wie man auch in einem kleinen Verein viele Einzelschicksale verändern und verbessern kann, dass ich mich seit der Zeit in 2009 für den Verein als Vorstandsmitglied engagieren und versuche regelmäßig "unsere" Kids und die Projekte in Indien zu besuchen.
 
Bei Fragen zu einem Praktikum bei ConAct e.V. könnt ihr mir gerne direkt schreiben: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Morgenstund hat Gold im Mund

06.00 Uhr morgens. Sonnenstrahlen kitzeln meine Nase. Ich öffne meine Augen und blinzle in die aufgehende Sonne. Für eine kurze Zeit bleibe ich liegen und genieße das Vogelgezwitscher und die leisen Kinderstimmen. In Indien beginnen die Tage früh morgens, meist vor der aufgehenden Sonne. Langsam suche ich den Weg aus dem Moskitonetz unter die erfrischend kühle Dusche und mache mich dann auf nach unten zu den Kindern.
Auf der Treppe treffe ich auf Janani. Mit einem großen Lachen begrüßt sie mich in den neuen Tag und läßt meine Müdigkeit sofort verfliegen. Wie an fast jedem Morgen erzählt sie mir kurz von ihrem Traum und ich ihr danach von meinem.

Im Erdgeschoss herrscht bereits reger Betrieb. Ich folge dem Duft von frischem Sambar und finde Usha hinter zwei Töpfen und einer großen Dampfwolke. Sie bereitet bereits zwei verschiedene Gerichte zu; eines für das Frühstück und eines für den Lunch der Kinder. Ich fülle mir einen Becher mit süßem Chai Tee und geselle mich zu Joysree, Tamil und Poongolai. Poongolai grinst mich schief an und zeigt auf meine verkehrt herum angezogenen Hosen.
Ich beobachte die Kinder, wie sie den viel zu heißen Tee mit hohen Bogen von einem Becher in den anderen gießen und versuche es ihnen nachzumachen. Nicht ganz so einfach wie es aussieht! Poongolai nimmt mir meinen Tee ab und erledigt es für mich in 5-6 schnellen Bewegungen. Weitere Kinder haben sich zu uns gesellt und eine hitzige Diskussion nimmt ihren Anlauf. Man bemerkt meinen fragenden Blick und schnell wird mir auf Englisch erklärt, daß heute eine wichtige Tamil-Prüfung bevorsteht.

Wie jeden Morgen genieß ich das kurze Zusammensitzen mit einem Becher Tee und die angenehme Stimmung des frühen Morgens.

Hema kommt mit einem Teller Gemüse daher, das geschnitten werden muß. Wir setzen uns gegenüber und beginnen mit den Zwiebeln. Nach einigen Minuten blicken wir uns mit Tränen verzerrten Augen an und beginnen zu Lachen. Die Tränen der Zwiebeln vermischen sich mit Tränen vom Lachen. Einen tollen Start in den Tag.

Um uns herum wird geputzt, die Alltagskleider gewaschen, geduscht, Pflanzen gegossen, Schulranzen geflickt und die letzten Hausaufgaben werden erledigt. Jeder hat etwas zu tun und ist beschäftigt. Aufs Neue bin ich erstaunt, was die Kinder bereits so früh morgens alles leisten und erledigen.

Ich bahne mir den Weg nach draußen auf die kleine Nebenstraße, an der sich das Enga Veedu Kinderheim befindet. Vor dem Eingangstor springt mir ein großes Kolam entgegen. Ein Kolam ist eine Art Mandala, das mit weißem oder auch farbigem Reismehl in einem speziellen System auf den Boden gezeichnet wird. Da zurzeit ein mehrtägiges Festival stattfindet, sind die Kolams momentan besonders bunt und groß. Sie werden jeden Morgen gleich nach dem Chai Tee von den Kindern erstellt. Es ist ein wunderbares Gefühl, durch die Strassen Pondicherrys zu gehen und die vielen Kolams in den unterschiedlichsten Formen und Größen zu bestaunen., die sich vor allen Eingangstüren und Toren befinden.
Unter den Bäumen vor dem Haus machen sich die Mädchen gegenseitig die teils hüftlangen Haare. Sie werden gekämmt, mit Kokosnußöl eingerieben und danach links und rechts zu zwei Schulzöpfen geflochten. Moskitos schwirren derweilen bluthungrig um uns herum. Um vor ihnen zu fliehen, stehe ich auf und beginne, die gelben und roten Blüten von den Bäumen zu pflücken. Mangayakarasi erstellt mit ihnen bunte Blumenketten, die später beim morgendlichen Gebet als Opfergabe um den Hals der Ganeshastatue gelegt werden. Unmittelbar nachdem sie die Ketten fertiggestellt hat, klingelt auch schon die Glocke. Sambadem, der Heimleiter, ruft die Kinder zur Puja zusammen. Die Puja ist das morgendliche Gebet, bei dem die Götter Indies geehrt werden. Alle zusammen stehen wir um die kleine Ganeshastatue vor dem Haus im Hof und die Kinder sprechen die Mantras, die Gebestsformeln. Nach der respektvollen Verneigung Richtung Osten am Ende der Puja suchen sich alle in der Halle einen Platz am Boden, um das Frühstück einzunehmen. Usha hat heute Idli zubereitet, eines meiner Lieblingsspeisen. Dabei handelt es sich um weiße, gedämpfte runde Küchlein aus einem Teig aus Uridal und Reis. Dazu gibt’s Kokosnußchutney und Sambar. Die älteren Kinder haben das Haus noch vor dem gemeinsamen Frühstück verlassen und sitzen bereits auf ihren Schulbänken.

Nachdem alle restlichen Kinder ihre Bäuche gefüllt haben, werden noch die letzten Sätze in die Aufgabenhefte geschrieben, die letzten Schuluniformen angezogen und die letzten Lunchtaschen gepackt. Um ungefähr 8.30 Uhr sucht sich Sakthivel sein Schuhpaar unter den vielen Kinderschuhen zusammen und stellt sich wartend vor das Eingangstor. Die Anderen folgen ihm einer nach dem anderen und sobald sich alle draußen auf der Straße befinden, gesell auch ich mich zu ihnen. Hand in Hand laufen wir zur Bushaltestelle, die sich 5 Minuten vom Enga Veedu entfernt befindet. Unterwegs beantworte ich ihnen Fragen über meine Familie und meine Lieblingsschulfächer, wir lachen über ein Huhn, das sich im Slalom durch unsere Bein irrt und viel zu schnell sind wir bereits auf dem großen Sandplatz bei der Bushaltestelle. Der Schulbus kommt, ich achte, daß alle eingestiegen sind und winke den Kindern und ihren Schulkameraden lachend hinterher und freue mich bereits auf den späteren Nachmittag, wenn sie voll mit neuen Geschichten zurück von der Schule kommen.

Anna Maria Niggeler, 26.03.2016
Goa; Indien


Über meine Zeit in Indien mit ConAct.ev.

Hallo ich bin Julian, 20 Jahre alt und komme aus Münster.

Vom 01.Oktober 2015 bis zum 31. Januar 2016 durfte ich über ConAct ein Praktikum in der Entwicklungshilfe in den Einrichtungen des Vereins in Indien absolvieren. In Indien hatte ich wirklich eine unglaublich schöne und erfahrungsreiche Zeit.

Zwischen meinem Abitur und dem Studium hatte ich etwas Zeit die ich gerne sinnvoll nutzen wollte. Mit einem Auslandsaufenhalt nach dem Abi hatte ich schon länger geliebäugelt. Über meinen ehemaligen Schulleiter lernte ich Thiru und den Vorstand von ConAct kennen. Nach einem Vorstellungsgespräch in sehr netter Runde erhielt ich von Thiru das „OK“ und einige Wochen später saß ich als Praktikant für ConAct mit Sören aus dem Vorstand im Flieger Nach Chennai in Indien.

„Incredible India“ - Das war, die Aufschrift auf einem Bus direkt vor dem Flughafen in Chennai, einer der Eindrücke, die mir besonders prägnant im Kopf geblieben sind. Ich ahnte schon, dass Indien wohl wirklich sehr unglaublich auf mich wirken würde. Beim verlassen der Empfangshalle wurde ich von der Hitze schier umgehauen, dazu kahmen dröhnende motoren, Hupen in allen Varianten von allen edenklichen Fahrzeugtypen auf den Straßen Chennais, sowie das Geschrei der Taxi- und Ato-(Rikscha)Fahrer.

Sören und ich fuhren dann mit einem Taxi von Chennai nach Pondycherri zum Enga Veedu. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie mir der indische Verkehr dann letztendlich den Rest gab. Vollkommen im Jetlag und sowieso schon total überwältigt von den oben angedeuteten Eindrücken, war die Teilnahme am indischen Straßenverkehr, wenn auch nur als Beifahrer eines klapprigen Taxis, wirklich das highlight meiner Anreise. Ich hatte ja schon eine gewisse Vorsstellung der Verkehrssituation auf den Straßen Indiens – ABER DASS... Alles fuhr kreuz und quer, hupende Fahrzeuge, dröhnende Motoren, stinkende Abgase, fluchende Tamilen und dazwischen lauter Kühe und Tausende Straßenhunde.

Bei unserer Ankunft im Enga Veedu war ich so dermaßen erschöpft, dass ich kaum noch ein Wort mit Usha, Sampandam, oder Valli –dem Team des Enga Veedu- wechseln konnte.

In meinen ersten Tagen im Veedu baute ich meine „Beziehung“ zu den Kindern im Heim auf. Was wirklich nicht schwer war. Nach den ersten 20 Minuten des Kennelernens hatte ich schon die ersten auf dem Schoß, den Schultern, den Armen, auf dem Rücken... wenn ich da eins gelernt habe, dann dass ich mich offensichtlich hervorragend als Klettergerüst eigne. Die Kinder im Veedu sind wirklich einfach nur Toll, eine richtige Rasselbande. Ich war wirklich extrem beeindruckt mit welcher Disziplin die Jungs und Mädels im Veedu durch Ihren Alltag gehen. Morgens um sechs stehen sie alle auf dann helfen die einen schon in der Küche während die anderen schon die ersten Schularbeiten für den Tag Erledigen. Die Mädchen machten sich gegenseitig die Haare, alle trugen zwei geflochtene Zöpfe links und rechts, welche mit Bändern wie zwei schleifen am Kopf befestigt wurden. Dass sah schon immer sehr herausgeputzt aus. In ihren Schuluniformen und dann auch noch alle mit „haargenau“ der selben Frisur waren sie für mich in den ersten Tagen kaum von einander zu unterscheiden – und ich hatte sowieso schon solche Probleme mir all die tamilischen Namen zu merken.

Daraus hatten sich vor allem die Kleinen einen Spaß gemacht, jeden Tag kamen sie gruppenweise zu mir und fragten mich „what is my name?“. Nichtsdestotrotz lernte ich auf diese Weise die Namen recht schnell.

Mich nannten sie nach einiger Zeit JulianAnna, was frei übersetzt soviel bedeutet wie Bruder Julian.

Wenn die Kinder nachmittags so gegen 16:00 Uhr aus der Schule zurückkamen, gab es immer einen kleinen Snack von Usha und dann ging es auch schon ans Wäschewaschen. Jedes Kind wäscht seine Schuluniform jeden Tag, was in Indien meistens noch echte Handarbeit ist. Das galt selstverständlich auch für mich. Beim skypen mit meine Freunden und meiner Familie zu Hause zeigte ich oft den Plastikeimer im Waschraum und witzelte: „dass ist meine Dusche und meine Waschmaschiene.“ .

Wenn die Kinder ihre Wäsche fertig hatten und diese in der indischen Hitze zum Trocknen hing, hatten sie häufig nur noch eine knappe Stunde Freizeit zum spielen bevor die „tuition-miss“ - die Nachhilfelehrerin für den Nachmittagsunterricht im Veedu kam. Der ging dann so bis 19.00 uhr jeden Tag. Danach ging es für einige der Kinder wieder in die Küche zum helfen, während andere sich noch an Ihre Hausaufgaben machten. Wie gesagt, von der Disziplin die die Kleinen an den Tag legten bin ich extrem beeindruckt, da kann sich so mancher gleichaltriger Deutscher mal eine gewaltige Scheibe abschneiden.

Ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass so viele Leute aus dem ConAct – Vorstand in den ersten Wochen noch mit dabei waren. Auf diese Weise konnte ich viele wichtige Dinge, wie das richtige Verhalten beim Essen und auch im sonstigen Alltag sehr schnell erlernen und wahrscheinlich das ein oder andere interkulturelle Fettnäppfchen sicher umschiffen.

In meinen ersten Wochen in Indien fuhren wir auch noch zu den anderen Projekten von ConAct. In Thrichy besuchten wir das Blinden-,Behinderten- und Kinderheim Loubra, welches von ConAct Siegen unterstützt wird. Und wieder einmal wahr ich komplett von den Socken (hätte ich jemals welche angehabt in Indien).

Das Loubra ist schon ein sehr besonderes Projekt, es ist unterteilt in das Haupthaus in welchem die blinden und behinderten Menschen untergebracht sind und das Kinderhaus. Es war so unglaublich rührend anzusehen wie alle in diesem Projekt funktioniert. Jeder der ungefähr 100 Menschen die dort leben kommt auf seine Kosten. Mir ist besonders im Kopf geblieben wie die Blinden, immer dann wenn es Essen gab, in Ketten Hand an Schulter aus allen edenklichen Ecken des Loubra hervorkamen und so jeder seinen Platz fand. Geholfen wird sich dort! Die Kinder wuseln tagsüber zwischen den Blinden herum und helfen auch immer da wo sie können. So sind sie zum Beispiel nicht zimperlich den Blinden Opi an der Hand zu nehmen und ihn zum Treppengeländer zu ziehen, wo er sich dann seinen sicheren Weg nach oben ins Haus ertasten kann. Das sind wieder solche Bilder die mir sehr deutlich im Kopf Geblieben sind. Aber am meisten beeindruckt war ich von Thomas, dem Chef des Loubra. Selber gehbehindert und Blind schmeißt er da den ganzen Laden. Die ganze Zeit ist er unterwegs im Haus und prüft dass alles seine richtigkeit hat. Er kümmert sich tatsächlich um einen riesen Teil der organisatorischen Aufgaben rund um das Loubra. Inklusive der Finanzen und dem damit verbundenen Zählen der Geldscheine – bis heute ist es mir ein Rätsel wie er das macht !

Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Situation mit Thomas, als ich später noch einmal mit Anna einer weiteren ConAct – Praktikantin im Loubra war und Thomas nach einiger Zeit und mehreren Gesprächen ganz beiläufig zu Anna meinte: „by the way Anna, I´m blind“ – diese Situation sprach doch schon sehr für sich.

Zurück im Enga Veedu begann ich nach einer etwa dreiwöchigen Eingewöhnungszeit in einer benachbarten Schule ein paar Unterrichtsstunden zu übernehmen. Die Sri Ragavendra School wird unter anderem auch durch ConAct unterstützt. Dort habe ich in erster Linie Englisch für den Alltag ind Klassen 5 bis 7 unterrichtet. Auch wenn Englisch zu den National- und Verkehrssprachen Indiens gehört, können leider viele Tamilen nicht wirklich in dieser Sprache längere Konversationen führen, da sie von Haus aus nur Tamil, also die Sprache Tamil Nadus sprechen. Die Tamilischen Kinder auf Englisch in Englisch zu unterrichten hat mich wirklich vor einige Herrausvorderungen gestellt. Allerdings hat der Unterricht großen Spaß gemacht und ich habe sicherlich einiges über Konverstion mit Händen und Füßen gelernt. Den Kindern scheint es auch großen Spaß gemacht zu haben. Sie waren eigentlich immer voll bei der Sache. Tatsächlich konnten sie Gelerntes sehr schnell umsetzen, zum ende eines jeden Themas malten sie Bilder über das gelernte und stellten Diese dann im Sitzkreis vor - Selbstverständlich auf Englisch!

Etwas ähnliches habe ich auch mit den Kindern des Enga Veedu probiert. Usha bat mich darum einigen der Jüngeren noch etwas Nachhilfe in Englisch zu geben. Dass bedeutete also zu dem ohnenhin schon total vollgepackten Tag, noch eine weitere Nachhilfeeinheit bei JulianAnna am Abend. Wir gestalteten dass dann eher spielerisch und versuchten im Spiel gespräche zu führen und so konversation auf Englisch zu üben. Das hat auch mehr oder weniger geklappt, aber ehrlich gesagt hätte ich an Stelle der Kinder am Abend auch überhaupt keine Lust auf noch mehr Englisch gehabt. Aber wie bereits angedeutet haben die kinder wirklich eine unheimlich beeindruckende Arbeitseinstellung und so meisterten sie auch diese letzte Lerneinheit am Abend.

Da die Kinder nunmal, wie bereits erwähnt, unter der Woche (und die Älteren auch am Wochenende) einen ziemlich engen Zeitplan hatten, vielen meine Aktivitäten mit ihnen an Wochentagen leider etwas mager aus. Ich versuchte ihnen so gut es ging bei den Hausaufgaben zu helfen und kleine spiele in ihrer kurzen Freizeit zu spielen. Sonntags war immer etwas mehr Zeit, so hatten wir Zeit für das ein oder andere Völkerballspiel – ein Spiel welches die Kinder übrigens in Perfektion beherrschen, ich sah häufig ziemlich alt aus beim Völkerball und stand die meiste zeit am Rand.

Mit Thiru hatte ich vereinbart den Kindern, die es noch nicht beherrschten, das Fahrradfahren zu üben. Das klappte vor allem mit Anna, welche im Oktober zu mir stieß, besonders gut. Im Enga Veedu standen uns zwei Fahrräder zur Verfügung großes und ein kleines.

So konnten wir die Kinder in zwei Gruppen einteilen und auf diese Weise sehr erfolgreich mit ihnen üben. Tatsächlich fahren jetzt fast alle von Ihnen frei Fahrrad.

Bei diesen Fahrübungen ist mir erst richtig klar geworden, wie schwierig es sein kann die ganze Rasselbande unter Kontrolle zu halten. Natürlich wollte jeder als erstes, und so oft wie möglich Fahrradfahren. Da habe ich schon so einiges über den Umgang mit Kindergruppen gelernt! Ich war sehr dankbar dass Anna mir zur Seite stand  und ich so nur die Hälfte der Kinder im Auge haben musste.

Überhaupt war der gesamte Aufenthalt im Enga Veedu wie auch im Loubra extrem lehrreich für mich. Man lernt doch sehr schnell wie wichtig manche weniger wesentliche Dinge sind, und auf welche Sachen, Wie beispielsweise eine Waschmaschine, Essbesteck, Bergen an Klamotten und theoretisch sogar Bettmatratzen, man tatsächlich verzichten könnte. 

Man nimmt sich selbst und auch seine Bedürfnisse doch sehr zurück, wenn man sieht wie gut es auch anders klappt. Ich habe auf meiner Reise durch Indien auf jeden Fall gelernt wie sehr ich unser sauberes, ordentliches und organisiertes Europa schätzen kann. ConAct bringt einen Teil dieser europäischen Ordnung nach Indien, ohne dabei der indischen Kultur und indischen wie tamilischen Gepflogenheiten zu nahe zu kommen. Auch wenn es für mich manchmal schwierig war, mit dieser sehr anderen indischen Ordnung zu recht zu kommen habe ich definitiv unglaublich wertvolle und nachhaltige kulturelle Eindrücke für mich selbst wieder mit nach Hause gebracht.
Durch meinen Aufenthalt in Indien habe ich viele kommunikative wie soziale Fähigkeiten dazu gewonnen.

Ich bin den ConAct Vorständen in Deutschland und Indien, sowie dem Team des Enga Veedu und vor allem den Kindern extrem dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen durfte. Tatsächlich ist es sehr schwierig in Worte zu fassen wie mich meine Reise durch Indien geprägt hat. Wenn mich jemand fragt wie es denn gewesen sei, sage ich immer, es waren positive wie negative Eindrücke auf wirklich allen Ebenen meines persönlichen Seins. Ich habe fest vor eines Tages wieder nach Tamil Nadu zu reisen!